Valentin Landmann

„Die Gegensätze sind wie eine heiss-kalte Dusche – sehr belebend“

Der bekannteste Anwalt der Schweiz heisst Valentin Landmann. Er lebt in Zürich, wuchs allerdings in St.Gallen auf und pflegt noch heute Kontakte ins Rheintal, ins Appenzellerland und ins Fürstentum Liechtenstein. Im Interview spricht er über den Spagat zwischen Milieu und Hochfinanz und verrät auch Dinge, die man von ihm noch nicht weiss.

Cécile Alge, Oberriet

Valentin Landmann, Ihre Präsenz in den Medien ist gross –fast jedes Blatt publizierte in den letzten Wochen ein Porträt oder ein Interview. Dem wollen wir nicht nachstehen. Offensichtlich geniessen Sie das Medieninteresse an Ihnen.

Valentin Landmann: (lacht) Es gibt keinen einzigen Fall, bei dem ich selber auf die Medien zugegangen bin. Ich werde immer wieder kontaktiert. Aber ich gebe zu, ich habe Freude daran und mache stets gerne mit. Ich erachte es als wichtige Arbeit, denn Verbrechen betreffen uns alle. Ich versuche jeweils zu erklären, was passiert ist und wie es dazu gekommen ist oder kommen konnte. Ich erkläre die Abläufe so, dass sie die Öffentlichkeit nachvollziehen kann.

Aber ein Verbrechen kann man nicht einfach so nachvollziehen?

Landmann: Das stimmt natürlich. Es ist manchmal auch sehr schwierig, einen Menschen oder eine Tat zu erklären. Gerade bei einem schlimmen Fall blende ich jeweils die „Monstereigenschaften“ aus und gehe ihn sachlich an. Mir geht es nicht darum, ein Delikt zu verteidigen. Sondern wie gesagt versuche ich zu erklären, warum es so weit gekommen ist. Jeder von uns kann mal in eine dumme Sache verwickelt werden. Denken Sie an den Fall Kachelmann. Der wiederspiegelt, dass Wahrnehmung und Beweislage eben zweierlei sind.

Sie treten immer wieder als Anwalt in aufsehenerregenden Fällen auf. Posträuber, Hells Angels, Skandalpflegerinnen, Christoph Mörgeli. Haben Sie sich als Anwalt für das Aussergewöhnliche einen Namen gemacht oder wie kommen Sie zu diesen Mandaten?

Landmann: Das hat sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda von zufriedenen Klienten so ergeben. Übrigens, bei Christoph Mörgeli bin ich nicht als Anwalt tätig, sondern als Berater.

Sie werden oft als Milieu-Anwalt oder als Rechtskonsulent der SVP bezeichnet. Ein Rebell, der sich auch in erzbürgerlichen Kreisen bewegt. Das Foto mit Ihnen, Christoph Blocher und ein paar Hells Angels hat seine Runden gemacht. Eine seltsame Konstellation.

Landmann: Sehen Sie, eigentlich bewegen wir uns ja immer in irgendwelchen Milieus. Bankenmilieus, Rotlichtmilieus, was auch immer. Ich liebe die verschiedenen Facetten der Menschen und die lebendigen Begegnungen mit ihnen – seien es nun Angehörige einer Partei oder Mitglieder der Hells Angels. Diese Gegensätze sind wie eine heiss-kalte Dusche – sehr belebend. Und das macht meine Freizeit und meine Arbeit enorm spannend.

Und wie schaffen Sie diesen Spagat zwischen Milieu und Hochfinanz, ohne unseriös zu wirken?

Landmann: Mit seriöser Arbeit. Wenn ich jemanden verteidige, dann bin ich immer überzeugt von dem, was ich sage. Ich setze mich für eine sachgerechte Aufklärung ein und bin nie Sprachrohr von jemandem. Deshalb lehne ich auch häufig Fälle ab. Dann, wenn ich einen Standpunkt vertreten sollte, den ich nicht kann.

Aber Sie verteidigen ja auch schwere Verbrecher.

Landmann: Ja. Allerdings sind die Klienten häufig geständig. Und dann geht es darum, ein sinnvolles Urteil zu erzielen. Dazu müssen wir dem Richter die Sicht auf die Dinge klar darlegen und die Beweislage analysieren.

Nun zu einem ganz anderen Thema. Sie sind ja im St.Galler Rosenberg aufgewachsen und haben noch ihr Elternhaus in St.Gallen. Sie kennen das Rheintal, das Appenzellerland und das Fürstentum Liechtenstein. Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie ans Rheintal denken?

Landmann: Früher habe ich mich oft im Rheintal aufgehalten. Ein Tal mit vielfältiger, wunderschöner Natur. Und in Grenznähe, auch daher interessant. Ich pflege heute noch Kontakte zu Rheintaler Schulkollegen und zu Bekannten von der Studentenverbindung. Die Rheintaler sind gradlinig, fleissig, uneitel, oft noch in handwerklichen Berufen tätig und einen Tick reeller als die Grossstädter. Etwas überspitzt formuliert: Man hockt noch zum Bier in die Beiz und geht nicht virtuell vernetzt, durchorganisiert und gestylt in die Clubs.

Und die Rheintaler reden oft in rüdem Umgangston und fluchen wie die Rohrspatzen. Die Grenze von Du und Sie wird nicht selten verwischt.

Landmann: Genau – immer gerade heraus. Das gefällt mir.

Also ziemlich das Gegenteil von Ihnen. Sie sind stets höflich und sprechen sehr gepflegt. Können Sie eigentlich auch fluchen?

Landmann: (lacht) Ich koche manchmal schon innerlich. Aber ich äussere mich nicht, wenn ich aufgeregt bin. Das wäre nicht gut.

Seit Wochen werden Ihnen in Interviews immer wieder ähnliche Fragen gestellt. Nun verraten Sie uns doch bitte etwas, das wir noch nicht wissen.

Landmann: Zum Beispiel dass ich „schwimmsüchtig“ bin. Ich gehe jeden Tag eine halbe Stunde schwimmen. Für die Fitness und zum Abschalten, wenn mich ein Fall sehr beschäftigt oder bewegt. Lass ich das Schwimmen einmal ausfallen, vermisse ich es sehr. Oder dass ich Mitglied des PEN-Clubs Liechtenstein (Anmerkung der Redaktion www.pen-club.li) bin. Dort werden seltene Treffen für Literaten abgehalten.

Ich habe gehört, Sie haben ein Faible für Persiflagen. Und schreiben selber solche. Ein Beispiel bitte.

Landmann: Eine schrieb ich über die Flugzeug-Küche, die ich grundsätzlich als sadistisches Ritual empfinde. (lacht) Ich esse nie in Flugzeugen. Und eine über die St.Galler Bratwurst.

Über die Bratwurst? Die mögen Sie bestimmt.

Landmann: Wenn ich an eine knusprig gegrillte St.Galler Bratwurst denke, komme ich richtig ins Schwärmen. Dazu ein frisches Bürli. Feiiin. Übrigens, am allerbesten schmeckt sie, wenn man sie im Ehebett isst. (lacht herzhaft)

Zum Schluss noch eine Frage zu Ihren auffälligen Presse-Bildern. Inszenieren Sie sich gerne als Kunstwerk?

Landmann: (lacht) Ich habe einfach Freude daran.